Baumeister und Architekten – Internationale Einflüsse

Zumeist waren es die namenlosen Bauhandwerker, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein die Herrenhäuser planten und errichteten. Gelegentlich ist überliefert, dass auch Bauherren wie Hans Graf von Schlitz Einfluss auf die Gestaltung ihrer Häuser nahmen. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts planten dann zunehmend namhafte Architekten die Neu- und Umbauten von Herrenhäusern. In Strelitz gehen einige Herrenhäuser wie etwa der 1862 in Cammin errichtete Neubau auf den Hofbaumeister Friedrich Wilhelm Buttel zurück. Der mecklenburgische Baumeister Georg Daniel war in Mecklenburg und Vorpommern tätig, nach seinen Plänen wurden die Herrenhäuser in Bernstorf, Beseritz, Gültz, und Vanselow errichtet. Der preußische Baumeister Friedrich August Stüler, der in Pommern für sehr viele Kirchenbauten verantwortlich war, lieferte die Pläne für die Umgestaltung des mecklenburgischen Schlosses Basedow, das allerdings nach einem Brand noch einmal und nun durch Albrecht Haupt erneuert werden musste, und für die Modernisierung des pommerschen Herrenhauses Broock im Tollensetal. Friedrich Hitzig, Carl Theodor Severin, Johann Gottfried Steinmeyer und Heinrich Thormann sind weiter namhafte Architekten, nach deren Plänen in Mecklenburg und Vorpommern Herrenhäuser errichtet wurden.

Es wird darüber gestritten, ob das nach 1551 errichtete Feste Haus in Quilow auf niederländische oder sächsische Einflüsse zurückgeht. Sicher ist, dass Charle Philippe Dieussart 1655/80 das Herrenhaus Rossewitz in Anlehnung an Genueser und niederländische Palastarchitektur errichtete und damit nicht nur einen der frühesten Barockbauten des Landes, sondern auch erstmals einen von der großen europäischen Architektur beeinflussten Herrschaftsbau schuf. Auch das 1726–1732 errichtete Schloss Bothmer lässt deutlich niederländische Vorbilder erkennen. Nicodemus Tessin d. J., einer der wichtigsten schwedischen Architekten der Zeit um 1700, schuf wohl die Pläne für Schloss Griebenow. Der Deutsch-Schwede Rudolph Matthias Dallin entwarf das Herrenhaus Johannstorf (siehe Abbildung).

Nur wenige Beispiele wie etwa das herzogliche Wäschespülhaus in Neustrelitz und die Pavillons auf dem Doberaner Kamp zeugen von der im 18. Jahrhundert in Europa verbreiteten Mode der Chinoiserie. Der dänische Architekt Joseph Christian Lillie entwarf unter anderem die klassizistischen Herrenhäuser Lehsen und Schönfeld. Im 19. Jahrhundert brachte der Historismus Einflüsse aus Frankreich – Schloss Schwerin gleicht dem Loire-Schloss Chamboire – und England. Viele Herrenhäuser wurden im Stil der englischen Tudorgotik neu errichtet oder umgebaut. Mit ihnen entstanden sehr viele englische Landschaftsgärten.

Abbildung: Herrenhaus Johannstorf, Atelier A. Mencke, um 1870 ( ©Stiftung Mecklenburg)