Marstall, Pferd und Wagen

Pferde gehörten bis zu Beginn des automobilen Zeitalters zum wertvollsten Besitz eines Gutes. Auf ihnen konnte man reiten, sie zogen die Kutschen und Erntewagen, sie drehten ihre Runden im Göpel, man spannte sie als Ackergäule vor Pflug und Egge – kurz, sie waren die wichtigste Kraftmaschine des Gutes. Die Stallungen der Pferde nennt man Marstall, den »Stall der Mähre«.

Auf den Gutshöfen standen die Marställe immer in der Nähe der Herrenhäusern. Oft waren sie besonders aufwändig gestaltet, wie der um 1770/80 angelegte halbkreisförmige Marstall in Ivenack. Andere trugen bzw. tragen gemäß ihrer Funktion einen Pferdekopf über dem Eingang. So auch der Marstall im Schlosspark von Putbus auf der Insel Rügen, der seit einigen Jahren instand gesetzt wird und künftig als Veranstaltungsort dienen soll.

Zumeist nur auf historischen Ansichten sind die offenen Reitbahnen oder auch die überdachten Reithallen überliefert, über die insbesondere die großen Güter verfügten. Besonders bemerkenswert ist die große Reithalle in Basedow, die 1835/38 nach Plänen des preußischen Architekten Friedrich August Stüler in Kombination mit Marställen errichtet wurde. Nachdem sie während der DDR-Zeit zur Ruine geworden war, begannen in jüngster Zeit aufwändige
Instandsetzungsarbeiten.

Die Pferdezucht war auf manchen Gütern wie auch Basedow ein lukrativer, aber auch durchaus riskanter Erwerbszweig. Besonders englische Reisende wie Thomas Nugent im 18. oder Charles James Apperley im frühen 19. Jahrhundert dokumentierten dies in ihren gedruckten Reiseberichten detailliert. Die in Redefin schon seit 1710 bestehende herzogliche Stuterei ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem Landgestüt geworden. Noch heute werden dort Pferde gezüchtet. Die jährlichen Hengstparaden haben eine große Anziehungskraft.
Es wird kaum zu klären sein, ob Pferderennen stärker dem Sport oder dem Vergnügen dienen, sicher ist, dass in Doberan, das seit 1793 herzogliche Sommerresidenz war, bereits 1804 erste Pferderennen stattfanden. Nach 1990 wurde die jahrzehntelang unterbrochene Tradition wieder aufgenommen. Die mehrmals im Jahr stattfindenden Galopprennen sind heute gesellschaftliche und sportliche Höhepunkte in der Region.

Untrennbar mit den Pferden waren die Schmieden verbunden, in denen vor allem die Hufschmiede ihre Arbeit verrichteten. In vielen Gutsdörfern stehen noch heute die markanten kleinen Bauten, die aufgrund der von ihnen ausgehenden Brandgefahr als selbstständige Gebäude errichtet wurden. Auch hölzerne Reifen bekamen hier ihre eisernen Beschläge, im Agrarhistorischen Museum Alt-Schwerin kann man sehen, wie das funktionierte.

Die Wagen für den Personen- und Lastentransport blieben nur selten erhalten. Und auch Remisen, wie man die zumeist einfachen Gebäude zum Abstellen der Wagen nannte, gibt es nur noch wenige. Vermutlich dienten die viertelkreisförmigen Flügel am Jagdschloss Friedrichsthal ursprünglich diesem Zweck.

Abbildung: Herrenhaus Samow, Atelier A. Mencke, um 1870 ( ©Stiftung Mecklenburg)