Schlösser und Herrenhäuser in historischen Abbildungen

Im Barock, als man begann das herrschaftliche Leben als »Gesamtkunstwerk« zu zelebrieren, kam der aufwändigen Architektur der herrschaftlichen Bauten eine immer größere Bedeutung zu. So verwundert es nicht, dass man diese auch für würdig befand, auf Gemälden und Zeichnungen festgehalten zu werden. Sogar ihre Baumeister wurden porträtiert und so ihr Bild der Nachwelt erhalten. So ließ sich Herzog Friedrich der Fromme (1717–1785) mehrfach mit den Bauplänen des Schlosses Ludwigslust porträtieren und beauftragte seinen Hofmaler Johann Dietrich Findorff damit, eine ganze Serie von Ansichten seines neu entstehenden Schlossgartens anzufertigen.

Auf Rügen lebte in den 1760er Jahren der damals noch junge Maler Jakob Philipp Hackert und schuf im Auftrag seines Mäzens, des Gutsbesitzers Adolf Friedrich von Olthoff, die Ausmalung für den Festsaal in dessen Herrenhaus Boldevitz. Er zeichnete auch das Herrenhaus und schuf damit eine der frühen Abbildungen eines solchen Gebäudes.

Im 19. Jahrhundert wurde es Mode, Ansichten von Herrenhäusern zu besitzen. Es entstand offensichtlich ein regelrechter Markt für diese Darstellungen. Der mecklenburgische Archivar Georg Christian Friedrich hatte bereits in seiner 1842–1845 erschienene Sammlung »Mecklenburg in Bildern« eine Reihe von Schlössern und Herrenhäusern aufgenommen. Gemeinsam mit Friedrich Wedemeier gab er dann zwischen 1860 und 1862 das »Album Mecklenburgischer Schlösser und Landgüter in Abbildungen der Residenzen, Schlösser und Rittergüter der Großherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz« heraus, das von erläuternden Texten begleitet wurde.

Der Berliner Verleger und Buchhändler Alexander Duncker hatte regen Kontakt zum kunstsinnigen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. und offenbar auch zu vielen Gutsbesitzern. Sein Hauptwerk war die Grafiksammlung »Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text von 1857 bis 1883«. In 320 Lieferungen erschienen insgesamt 960 farbige Lithographien mit Ansichten preußischer Schlösser und Herrenhäuser, darunter 92 aus Pommern.

Waren die mecklenburgischen Ansichten noch alle nach Zeichnungen gestochen, entstanden viele der Lithographien in Dunckers Sammlung bereits nach Fotografien. Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu großer Blüte gelangten Technik verdanken wir heute den umfangreichsten historischen Bestand von Herrenhausbildern. Durch das Atelier von August Mencke in Wandsbek wurden zwischen etwa 1860 und den 1890er Jahren deutschlandweit wahrscheinlich mehr als tausend Fotografien von Schlössern und Herrenhäusern angefertigt. Man bot sie einzeln sowie in Mappen zum Verkauf an. Mecklenburg stellte nach bisherigem Kenntnisstand einen Schwerpunkt der Aufnahmetätigkeit dar und so gibt es einen unvergleichlichen Einblick in den Bestand der Güter, Herrenhäuser und Parkanlagen.

Abbildung: Herrenhaus Quadenschönfeld, Atelier A. Mencke, um 1870 ( ©Stiftung Mecklenburg)