Verluste, »Vernutzung«, Denkmalpflege und neue Nutzung
»Schleifen etwas niederreißen, dem Erdboden gleichmachen«, erläutern die Wörterbücher. Im Mittelalter wurden feindliche Burgen geschleift, im 19. Jahrhundert veraltete Festungen, um Städten mehr Platz zu schaffen. Warum aber wurden Herrenhäuser geschleift?Durch die Bodenreform entstand 1945 ein großer Baumaterialbedarf. Der Befehl der Sowjetischen Militäradministration Nr. 204/1947 sollte Abhilfe schaffen, u. a. durch den Abriss von Gutsgebäuden. Doch es wurden in Mecklenburg und Vorpommern mit ganz wenigen Ausnahmen keine intakten Herrenhäuser abgerissen, aber Brandruinen nutzte man zur Materialgewinnung, wobei sich oft nicht mehr rekonstruieren lässt, wie es zu den Bränden kam.
Tatsächlich geschleift wurde 1974 das neugotische Herrenhaus in Dutzow. Man hat es im Auftrag der DDR-Regierung wegen seiner unmittelbaren Lage zur innerdeutschen Grenze eingerissen. Beim Ausbau der Grenzanlagen wurden verschiedentlich störende Höfe und Dörfer entvölkert und zerstört.
Aber auch der »normale« Erhalt der Herrenhäuser ist nicht einfach. So ist die Umnutzung ein Grundproblem der Denkmalpflege. Jede Funktion bedingt besondere bauliche Strukturen. Herrenhäuser sind als Wohn- und Verwaltungsbauten für große landwirtschaftliche Betriebe entstanden und entsprachen schon vor 1945 vielfach nicht mehr den Ansprüchen. Die Probleme der Erhaltung haben sich vergrößert und es verwundert nicht, dass viele Häuser in den zurückliegenden Jahren unwiederbringlich verloren gingen und nicht alle Umnutzungen als gelungen bezeichnet werden können. Entstanden sind viele Hotels und Pensionen, die sich gut in die touristisch attraktiven Regionen einfügen. Manches Herrenhaus wird von Künstlern genutzt. So besteht in Plüschow das Mecklenburgische und in Heinrichsruh das Vorpommersche Künstlerhaus. Bekannt ist auch der Verein »Schloss Bröllin«, der bemerkenswerte Kunstaktionen veranstaltet.
Viele Herrenhäuser beherbergten zu DDR-Zeiten oft mehr schlecht als recht soziale und gemeindliche Einrichtungen, blieben so aber erhalten. Einige dienen weiter sozialen Zwecken und konnten sich inzwischen als Pflegeheim oder Fachklinik etablieren.
Abbildung: Herrenhaus Plüschow, Atelier A. Mencke, um 1870 ( ©Stiftung Mecklenburg)

